Die orthopädische Bettenstation Rikshospitalet Oslo Dritter Eintrag
Da lag ich nun.
Verkabelt, mit Schläuchen versehen, selbst ziemlich geschlaucht, traurig und sogar ziemlich wütend auf mich selbst, in einem mir noch fremden Krankenzimmer, mitten in der Nacht.
Wie konnte ich mich nur wieder in eine solche Situation bringen, warum hab ich nicht einfach ein bisschen besser aufgepasst?! Angst hatte ich im Moment noch nicht wirklich, dafür war ich nicht genug „da“, und das hätte mir in diesem Augenblick auch gerade noch gefehlt.
Ich hatte, Gott sei Dank, keine Schmerzen. Das lag daran, dass ich einen Plexus bekommen habe. Dieser Plexus ist ein – ich nenne es der Einfachheit halber – dünner Schlauch, der am Schlüsselbein unter die Haut und ins Gewebe gelegt wird und zu einem Nervengeflecht führt, was den linken Arm steuert. Ich habe gelesen, dass dieser Schlauch in einem fast s-förmigen Bogen gelegt wird, damit er auch trotz eventueller Bewegungen des Körpers besser an Ort und Stelle bleibt. Es kann aber dennoch vorkommen, dass er sich ein wenig verschiebt, was dann leider zur Folge hat, dass diese Betäubungsart nicht mehr ganz so wirkt, wie sie soll – oder gänzlich seine Wirkung verliert.
Aber jetzt lag ich hier, leider doch wach genug, um meine wenig steuerbaren Gedanken voll mitzubekommen. Zwischen der Trauer um meine zerstörten Finger, besonders hierbei der verlorene Mittelfinger, den vermeintlichen Zukunftsaussichten, was ich überhaupt noch mit meiner Hand machen kann und den Gedanken, was hier im Reichshospital noch so auf mich zukommen wird, brachen mir die Tränen aus.
Kurze Momente, während ich weinte, kamen mir auch diese Gedanken, ob das Leben denn überhaupt noch einen Sinn machen würde. Irgendwo auch zurecht, denn ich definiere mich selbst über meine Fähigkeiten und die setzen beide Hände in gesunder Verfassung voraus.
Natürlich sehe ich das jetzt wieder anders, aber in dieser Situation, frisch operiert, vor kurzem erst schlechte Neuigkeiten bekommen und diese unendliche Ungewissheit bezüglich meiner Zukunft, auch im Gedanken an meinen Arbeitsplatz und nahezu allen meiner Hobbies, gingen mir sehr unfeine Gedanken durch den Kopf.
Ich schaute mich auch ein wenig im Zimmer um, soweit ich das vom Bett aus konnte. Mein linker Arm war seitlich von mir auf mehreren Kissen gelagert und mit einer Decke abgedeckt. Es fühlte sich komfortabel an. Allerdings hatte ich ja auch kein Gefühl im Arm.
Neben mir stand ein Stativ mit einem Plastikbeutel dran, in dem eine klare Flüssigkeit war, ein Schlauch von diesem Beutel ging in ein elektrisches Teil, ungefähr in der Größe eines alten Gameboys. Das war eine Pumpe, die – gefühlt – alle 30 Sekunden für einen kurzen Moment ansprang. Als ich dem Schlauch weiter in meine Richtung folgte, sah ich, dass dieser an einer auf mir aufgeklebten Kopplung endete, von dort aus ging es in einen sehr dünnen, sehr viel härteren Schlauch über, der in Schleifen gelegt war. Weiter an diesem Ding entlang habe ich dann entdeckt, dass ich dann einen größeren, transparenten Aufkleber mit weißem Rand im Schlüsselbeinbereich hatte, unter den der Schlauch gelegt war und in einer Einstichstelle knapp unterhalb des Schlüsselbeines in mir verschwand. Das war also der Plexus, oder besser gesagt, der von außen sichtbare Bereich davon. Das, was meinen linken Arm betäubte und wie ich später feststellte, auch nahezu unkontrollierbar machte.
Ich schaute mich auch ein wenig im Zimmer um, soweit ich das vom Bett aus konnte. Mein linker Arm war seitlich von mir auf mehreren Kissen gelagert und mit einer Decke abgedeckt. Es fühlte sich komfortabel an. Allerdings hatte ich ja auch kein Gefühl im Arm.
Neben mir stand ein Stativ mit einem Plastikbeutel dran, in dem eine klare Flüssigkeit war, ein Schlauch von diesem Beutel ging in ein elektrisches Teil, ungefähr in der Größe eines alten Gameboys. Das war eine Pumpe, die – gefühlt – alle 30 Sekunden für einen kurzen Moment ansprang. Als ich dem Schlauch weiter in meine Richtung folgte, sah ich, dass dieser an einer auf mir aufgeklebten Kopplung endete, von dort aus ging es in einen sehr dünnen, sehr viel härteren Schlauch über, der in Schleifen gelegt war. Weiter an diesem Ding entlang habe ich dann entdeckt, dass ich dann einen größeren, transparenten Aufkleber mit weißem Rand im Schlüsselbeinbereich hatte, unter den der Schlauch gelegt war und in einer Einstichstelle knapp unterhalb des Schlüsselbeines in mir verschwand. Das war also der Plexus, oder besser gesagt, der von außen sichtbare Bereich davon. Das, was meinen linken Arm betäubte und wie ich später feststellte, auch nahezu unkontrollierbar machte.
Neben mir, etwas oberhalb meiner Schulter, lag noch ein weiteres Gerät, in das dünne Kabel eingingen, die von irgendwo unter der meinen linken Arm abdeckenden Decke herkamen. An diesem Teil war ein Stromanschluß und weitere Kabel, die zu einem Monitor gingen, auf dem Linien und Kurven zu sehen waren. Es stellte sich dann später heraus, dass das die Kabel von den Sensoren sind, die in meinen Zeigefinger und kleinen Finger einoperiert waren. Die Daten auf dem Monitor sind das, was ich weiter vorne schon einmal in einem Schaukasten erklärt habe, kurz: Eine sich im Studienbereich befindende, neue Überwachungsart meines wieder angebrachten (replantierten) Zeigefingers.
Ich entschloss mich dazu, dass ich nochmal versuche, ein wenig zu schlafen. Leichter gesagt, als getan. Ich bin ein Bauchschläfer und ich lag auf dem Rücken. Drehen konnte ich mich nicht, da ja mein linker Arm speziell gelagert war und ich hatte Kabel und Schläuche an und in mir. Noch dazu hatte ich den Katheter, der auf meiner rechten Seite aus dem Bett geführt wurde, und dort hing auch der Urinbeutel.
Also gut, dachte ich, dann versuchen wir es halt einfach mit Augen zu machen und schauen mal, wie weit wir hier damit kommen.
Sonderlich weit kam ich damit dann allerdings nicht. Als ich es dann endlich geschafft hatte mit dem Einschlafen, kam dann schon wieder ein Krankenpfleger, die Nachtwache, ins Zimmer. Er wollte dann die Temperatur an meinen Fingern messen und eine Beurteilung meines Zeigefingers machen.
Ach ja, das Replantationsregime!